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P23R: der Prozess-Daten-Beschleuniger

Ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Projekt bzw. entferntes Thema möchten wir Ihnen vorstellen, da es aus unserer Sicht sehr interessante Inhalte hat: Die Maßnahme „Prozess-Daten-Beschleuniger“ aus dem IT-Investitionsprogramm der Bundesregierung. Damit werden Unternehmen unterstützt, ihre gesetzlichen Meldepflichten effizient zu erfüllen. Das Projekt P23R wurde im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren bereits im Juni 2010 gestartet. 13 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung erarbeiteten dabei die Grundlagen für die Gestaltung einfacher und medienbruchfreier Meldeprozesse zwischen Unternehmen und Behörden.


Pflicht zur Über­mit­tlung von Dat­en. Regelmäßig müssen Unternehmen für ver­schieden­ste Zwecke Fir­men- oder Per­son­al­dat­en an die Ver­wal­tung über­mit­teln. Auf­grund nationaler Geset­ze und Verord­nun­gen beste­hen zurzeit rund 10.000 Meldepflicht­en für Unternehmen. Teil­weise kom­men die Unternehmen Ihrer Meldepflicht nach, in dem sie For­mu­la­re per Hand aus­füllen. Durch das P23R-Prinzip soll der Date­naus­tausch nun deut­lich vere­in­facht wer­den. Es umfasst Grund­la­gen und Meth­o­d­en, die den Date­naus­tausch zwis­chen Wirtschaft und Ver­wal­tung ein­fach­er, sicher­er sowie trans­par­enter gestal­ten und spez­i­fiziert ein Infra­struk­turkonzept, auf dessen Grund­lage Unternehmen ihren geset­zlichen Infor­ma­tions- und Meldepflicht­en in ein­er abgesicherten Umge­bung nachkom­men kön­nen. Lösun­gen auf Basis des P23R-Prinzips erstellen die Mel­dun­gen und sor­gen für eine Über­mit­tlung an die zuständi­gen Behör­den.

Ver­mei­dung von Mehrfach­mel­dun­gen. Häu­fig sind ähn­liche Mel­dun­gen an ver­schiedene Insti­tu­tio­nen abzugeben. Sämtliche Mel­dun­gen müssen dabei sep­a­rat bear­beit­et wer­den, was zu einem erhe­blichen Mehraufwand führt. Unter der Fed­er­führung des Fraun­hofer — Insti­tuts für Offene Kom­mu­nika­tion­ssys­teme wer­den im Auf­trag des Bun­desin­nen­min­is­teri­ums die grundle­gen­den Funk­tion­sprinzip­i­en sowie die Architek­turen für deren IT-Umset­zung erar­beit­et. Ziel des P23R-Pro­jek­ts ist es, ein organ­isatorisches und infor­ma­tion­stech­nis­ches Bindeglied zwis­chen Unternehmen und Ver­wal­tung zu schaf­fen, das für bei­de Seit­en Aufwände reduziert und gle­ichzeit­ig zu ein­er höheren Trans­parenz der Ver­fahren führt. Ein langfristiges Ziel ist es, dass in Zukun­ft bei jed­er neuen Meldepflicht auch gle­ich eine in P23R-Sys­te­men ablauf­fähige Regel zur Ver­fü­gung ste­ht. Im Ergeb­nis würde dadurch erre­icht wer­den kön­nen, dass eine Mel­dung für ver­schiedene Zwecke ver­wen­det wer­den kann. The­ma­tisch ähn­liche Vorgänge, z. B. Meldepflicht­en, für die Dat­en zu den Gehäl­tern der Mitar­beit­er zu erfassen und auszuw­erten sind, wer­den dann zu Prozess­ket­ten­bün­deln zusam­menge­fasst. Neben den Vorteilen für die bericht­spflichti­gen Unternehmen erle­ichtert das P23R-Prinzip auch das Meldewe­sen in den Ver­wal­tun­gen. Die Melde­dat­en kön­nen medi­en­bruch­frei direkt in das Behör­den­sys­tem eingepflegt wer­den.

Kein weit­eres Infor­ma­tion­ssys­tem. Ein wesentlich­er Vorteil des P23R-Prinzips ist, dass es sich nicht um ein weit­eres Infor­ma­tion­ssys­tem han­delt, das von Unternehmen für die Abwick­lung von Infor­ma­tion­spflicht­en einge­führt wer­den muss. Das P23R-Infra­struk­turkonzept spez­i­fiziert ver­schiedene Kom­po­nen­ten, um die existierende Lösun­gen ergänzt oder auf deren Basis neue Lösun­gen für die Abwick­lung von Infor­ma­tion­spflicht­en entwick­elt wer­den kön­nen, die sich die Vorteile der ein­heitlichen Datenpflege zunutze machen. Durch die P23R-Lösung wer­den auch keine zen­tralen Datenbestände aufge­baut. Ins­ge­samt wer­den unab­hängig von der Unternehmensgröße medi­en­bruch­freie Prozesse zwis­chen Wirtschaft und Ver­wal­tung geschaf­fen, ohne in die Date­nau­tonomie der Unternehmen einzu­greifen. Die Daten­ho­heit verbleibt bei den Unternehmen und zur Weit­er­leitung bes­timmte Dat­en müssen vorher aus­drück­lich freigegeben wer­den. Es wer­den nur die Dat­en über­mit­telt, die für das jew­eilige Melde­v­er­fahren notwendig sind.

Ele­mente des P23R-Prinzips. Die wesentlichen method­is­chen, organ­isatorischen und tech­nis­chen Ele­mente des P23R-Prinzips sind ein mod­u­lar­er, ziel­grup­penori­en­tiert­er Meth­o­d­en­leit­faden und eine ein­heitliche Rah­me­nar­chitek­tur. Der mod­u­lare, ziel­grup­penori­en­tierte Meth­o­d­en­leit­faden soll Entschei­dungsträger in E‑Gouvernement und E‑Business sowie Prak­tik­er und Prozessver­ant­wortliche bei fach­lichen, IT-architek­tonis­chen, sicher­heit­stech­nis­chen, wirtschaftlichen sowie juris­tis­chen Analyse- und Gestal­tungsauf­gaben für die Umset­zung von Prozess­ket­ten unter­stützen. Er ist ab Dezem­ber 2011 als Online-Plat­tform frei ver­füg­bar. Die Nav­i­ga­tion durch den Meth­o­d­en­leit­faden erfol­gt anhand von Ziel­grup­pen, Anwen­dungs­fällen, Mod­ulen oder The­menge­bi­eten. Die P23R-Rah­me­nar­chitek­tur stellt einen Bau­plan für die Imple­men­tierung indi­vidu­eller P23R-Lösun­gen dar. Sie definiert Anforderun­gen, Eigen­schaften, Schnittstellen und Kon­ven­tio­nen und zeigt das Zusam­men­spiel der ver­wen­de­ten Daten­mod­elle, sodass Entwick­ler von P23R-Lösun­gen eine Vorstel­lung über ein möglich­es Sys­temde­sign bekom­men. Damit wird ein Gestal­tungsspiel­raum für unter­schiedliche P23R-Lösun­gen geschaf­fen, die für den jew­eili­gen Unternehmen­skon­text entwick­elt und zugeschnit­ten wer­den kön­nen.

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